Mein Leben

Timo Gadde: Mein Leben als Berggeschichte

Timo-Gadde-1Vor genau zehn Jahren habe ich mich gefragt: Wer bin ich? Heute weiß ich: Genau das hier bin ich. Als Redner, Moderator, Journalist und Mentor realisiere ich eine Lebensvision: Ein Glückskonzept zu entwickeln, das alle (und wirklich alle) Menschen miteinander verbindet, eint und sie in ihrer Persönlichkeit nachhaltig wachsen lässt. Ich bin dem Tod dreimal in zehn Jahren begegnet. Einmal bin ich selbst fast gestorben. Einmal meine Schwester. Und einmal habe ich ihr schließlich das Leben gerettet.

Meine Lebensdevise eint einen klaren Grundsatz: Weiter kommen wir nur gemeinsam. Dabei ist es nötig, sich von individuellen Vorurteilen zu befreien und den Blick auf die Antriebe, Motivationen und Prägungen von Menschen zu legen. Ich selbst habe das Glück, täglich mit so vielen wunderbaren Leuten zusammenzuarbeiten. Jeden prägt eine klar zu erkennende Geschichte, die unserer Gesellschaft Gestalt verleihen und Glück deutlicher aufzeigen.

Erst durch die Unterschiedlichkeit entstehen Klarheit und klare Kante. Starrsinn, Engstirnigkeit und Gewalt haben uns noch nie weitergebracht. Offenheit, Mitmenschlichkeit und Kommunikationsstärke zeichnen Macher von morgen aus. Das Spannende erwächst häufig aus Bergen und Tälern. Hier sind meine.

Die Anfänge – ein Wendepunkt

Am 4. April 1992 wurde ich in der hessischen Kleinstadt Steinbach/Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main geboren. Mein Vater arbeitet als Werkzeugmachermeister. Von ihm, wie auch von meinen Vorfahren bis ins 17. Jahrhundert, habe ich gelernt, dass Erfolg nur durch kontinuierliche Arbeit möglich ist. Wir alle waren Arbeiter, die sich nichts „einfach so“ leisten konnten.

Meine Mutter kümmerte sich um meine Schwester Carolin und mich. Von Mama habe ich gelernt, wie wichtig Liebe und Fürsorge sind. Von Carolin lernte ich später mehr, als ich es damals für möglich hielt. Ich selbst bin handwerklich nicht sonderlich erfahren, musste auch Liebe in mir erst erkennen. Stattdessen war ich in der Schulzeit sehr schüchtern und zurückgezogen. Der Grund wurde mir erst später bewusst.

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Ich interessierte mich nur für die Berge und das Wetter. Diese Kombination rettete mir im Sommer 2007 das Leben. Als ich meine Eltern überzeugte (das war ein großer Schritt für mich), fuhren wir das erste Mal in die Alpen. Auf 2.000 Höhenmetern war die Luft zu Ende. Ich erstickte. In mir verbarg sich ein Geheimnis: Eine kopfgroße Lungenblase. Der Lungenflügel – so groß wie der kleine Fingernagel. Wahrscheinlichkeit: Wie dreimal mit dem Flugzeug abstürzen und überleben.

Als im Krankenhaus niemand wusste, ob ich überhaupt überlebte, fand ich mich plötzlich wieder wach inmitten von 70-Jährigen wieder, die lernten, wie man atmet. Ein Wendepunkt meines Lebens. Hier wollte ich raus.

Die Jugendzeit – Erfolgsbausteine

Ich habe anderen Menschen zu verdanken, dass ich heute lebe. Also möchte ich heute, dass dieses Überleben einen guten Sinn für anderen hat. So einfach ist das. Diese Devise baue ich auf und erweitere sie. Die Realisierung beginnt im Kleinen. Nach einem Jahr, als ich wieder gesund bin, engagiere ich mich als Stadionsprecher, Pressesprecher und Vorstandsmitglied beim FSV Germania 08 Steinbach. Mit einem Trikot von Oliver Kahn spielte ich privat im Tor. Später möchte ich in Benefizspielen für andere spielen und gewinnen.

Gemeinsam mit Freunden habe ich als politisch aufmerksamer und interessierter Mensch die Jungsozialisten in Steinbach/Ts. mitbegründet und war dort zwei Jahre lang als Medienreferent tätig. Mein Anspruch ist klar: Nachhaltig verändern funktioniert nur, wenn wir niemanden zurücklassen. Die sozialdemokratischen Werte haben mich in meinem Denken und Handeln tief geprägt. Im März 2016 stellte ich mich für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zur Wahl des Steinbacher Stadtparlaments auf. Von Listenplatz 22 konnte ich auf Platz 11 vorrücken. Der stärkste Zugewinn innerhalb der Partei.

Dennoch geht nichts über die Vielfalt von Meinungen: Ich bin ein überzeugter Naturschützer und Tierliebhaber, schätze Freiheit als hohes Gut, glaube an den Wert christlichen Gedankenguts für das gemeinsame Miteinander, setze mich aktiv für Flüchtlinge, Obdachlose und Notleidende ein und bin der Ansicht, dass Menschen wichtiger als Profite sind und die Schere zwischen Arm und Reich unbedingt verkleinern sollte. Von Linken, Liberalen und Konservativen habe ich viel gelernt. Von Nationalisten dagegen nur eines: Es gibt viel zu tun.

Abitur und Studium – Eine neue Welt

Trotz der Krankheit und zeitweise sieben parallelen Engagements habe ich mein Abitur mit der Endnote 1,8 bestanden. Leistung war mir vor allem dann wichtig, wenn sie Menschen weiterbringen konnte. Ich habe eine kleine Nachrichtensendung mit einem SingStar-Mikrophon moderiert, wollte Menschen informieren und Lösungen anbieten. So kam ich zum Journalismus. Ein Traumjob. Auch aus der Kraft meiner Krankheit, selbst zu erfahren und zu reflektieren, entstand letztlich auch mein Berufswunsch, Journalist zu werden.

 

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Mein erster Vortrag auf dem größten internationalen Bergfestival der Welt in Brixen/Italien. (Noch) nicht mit der passenden Ausrüstung. 😉

 

Ich entschied mich, in die Medienmetropole Köln zu reisen. Allein von der Kleinstadt in die Großstadt. Ich wollte Journalismus unbedingt an der Hochschule Macromedia studieren. Meine Familie und ich wussten, dass wir das private Studium nur sehr schwer bezahlen konnten. Also legten alle zusammen und realisierten mir diesen einen Traum. Ich fühle jeden Tag eine tiefe Dankbarkeit und Verantwortung für diese erhaltene Möglichkeit. Ich zog in ein Wohnheim mit 30 anderen, vielseitig motivierten Studierenden aus sämtlichen Ländern, Kulturen und Religionen, bei dem für mich gekocht, gewaschen und geputzt wurde.

Innerlich zufriedener machte mich die Gewissheit, dass ich nicht nur ideal lernen, sondern auch trotz des Vollzeitstudiums nebenberuflich arbeiten und mein Leben in Köln finanzieren konnte. Ich legte außerdem die Grundlage für das Macrophon in Köln, den unieigenen Campussender der Macromedia, und wurde in meiner Hochschule als Studiengangsbester geehrt.

Ich gründete und verantwortete einen Fan-TV-Sender für den Regionalligisten FC Viktoria Köln und kam dadurch mit vielen Menschen in Kontakt, die in wirtschaftlicher Armut leben und durch den Fußball eine neue Lebenskraft entwickeln konnten. In Köln trat ich dem Kölner Alpenverein bei und begann, beim Jugend-Online-Magazin f1rstlife meine ersten bezahlten Artikel zu schreiben. Für mich der Beweis: Ich kann auch für meine journalistische Arbeit Geld verdienen. Das Geld investierte ich fortan in zwei Jahreskarten und 25 Freizeitbesuche im Jahr. In den Freizeitparks konnte ich neue Ideen entwickeln und Kraft tanken. Heute kennen mich nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Fan-Clubs der beiden Parks.

Berufswelt: Krankheit und Heilung

Meine journalistischen Zwischenziele erreichte ich, als ich im Südwestrundfunk für den Chefredakteur neue strategische Konzepte verfassen durfte, Nachrichten verlas und eigene Beiträge produzierte. Beim Westdeutschen Rundfunk und dem Hessischen Rundfunk folgte ich meinem Kindheitstraum: Ein guter Journalist zu werden, der informiert und aufklärt. 2013 wurde ich Chefredakteur von f1rstlife mit dem Anspruch, jungen Menschen das zu geben, was mir gefehlt hat: Mentoring, Möglichkeit und Unterstützung. Während ich mir im Leben sehr vieles selbst beibringen musste, konnte ich nun mit 330 freien Mitarbeitern diskutieren, was junge Menschen antreibt und weiterbringt.

Der Kontakt mit vielfältigen Menschen hat in mir einerseits die Offenheit und Klarheit für meine eigenen Positionen gestärkt und gefestigt. Andererseits hat mir diese Stärke geholfen, meine Kindheit unbedeuter zu machen und auch mit Menschen und Organisationen auszukommen, die andere Motivationen, Werte und Lebenseinstellungen wie ich teilen.

 

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Die größte Herausforderung für mein Leben entstand, als meine Schwester Carolin plötzlich schwer krank wurde. Einen Tag nach ihrem 21. Geburtstag stellten die Ärzte bei ihr die tödliche Krankheit Blutkrebs fest. Carolin hatte sich ihren Traum realisiert und nach vielen Vorerfahrungen ihren Beruf als Flugbegleiterin bei TUI realisiert. Ich erinnere mich genau, wie stolz wir alle waren – und wie traurig und schmerzhaft die kommenden beiden Jahre verlaufen sollten. Täglich telefonierte ich mit Eltern, Großeltern und Freunden, um sie über den aktuellen Stand zu informieren.

Es war eine schwere Zeit, die meine Eindrücke über Glück und Erfolg völlig auf den Kopf gestellt haben. Zugleich haben sie aber auch die innere Kraft und den Zusammenhalt gestärkt: Carolin meisterte die Erkrankung. Ein Jahr später, kurz vor Weihnachten, kam der Krebs zurück. Als auch die Chemotherapie nicht half, organisierten Freunde und ich eine groß angelegte Rettungsaktion, um einen passenden Spender für sie zu finden. Erfolglos. Im März 2016 spendete ich ihr meine Stammzellen, auch wenn wir nur zu 70 Prozent genetisch passten. Ein einschneidendes Ereignis, bei dem mir klar war, dass es mich lebenslang prägen wird. Ein Jahr später ist Carolin wieder gesund – meine Zellen waren die einzige Hoffnung, damit sie überlebt.

Glück verpflichtet …

Was mich bewegt hat, hat mich heute stärker und klarer gemacht für das, was Glück ist:

+ Glück ist nicht ausgrenzend, sondern sucht Verbindungen und belässt dabei die individuellen Wertüberzeugungen des anderen.
+ Glück wird ausgestrahlt, nicht aufgezwungen. Glück muss erkennbar werden, damit es wirkt und andere verändert.
+ Glück ist die größte Chance in einer Zeit, in der wir oft das Auge für das wirklich Wichtige im Leben verloren haben.

Durch Glück bin ich zu dem geworden, der ich heute bin. Ohne Scheuklappen und ohne Fokussierung auf das rein Positive. Durch Glück habe ich jeden Tag die Chance, andere glücklicher zu machen. Durch Glück habe ich erkannt, was uns verbindet und nachhaltig weiterbringt. Diese Facette macht mein Leben vielleicht auch so interessant, dass womöglich bald ein eigenes Buch erscheint. Weg von Extremismus, Ichorientierung und Gleichgültigkeit. Hin zu Offenheit, Nachhaltigkeit und Verantwortung für das Glück in dieser Welt.

PS: Auch interessant! Meine Facebook-Filterblase.

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